Friedrich Gottlieb Klopstock, geboren am 2.7.1724 in Quedlinburg. Sohn eines Advokaten. Christlich-pietistische Erziehung. 1745/46 Studium der Theologie in Jena, seit 1746 in Leipzig. Mitarbeiter der »Bremer Beiträge«, die die ersten drei Gesänge des »Messias« druckten. Hauslehrer in Langensalza. 1750 in Zürich; ab 1751 in Kopenhagen mit Ehrengehalt des dänischen Königs. 1770 mit Graf Bernstorff nach Hamburg. Klopstock starb am 14.3.1803 in Hamburg. Deutscher Dichter. Genialer Epiker, Lyriker und Dramatiker zwischen Barock und Klassik. Begründer des deutschen Irrationalismus und der Erlebnisdichtung. Begriff den Dichter als Seher und Erzieher.

 

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Edone

 

Dein süßes Bild, Edone,
Schwebt stets vor meinem Blick;
Allein ihn trüben Zähren,
Daß du es selbst nicht bist.

Ich seh' es, wenn der Abend
Mir dämmert, wenn der Mond
Mir glänzt, seh ichs, und weine,
Daß du es selbst nicht bist.

Bei jenes Tales Blumen,
Die ich ihr lesen will,
Bei jenen Myrtenzweigen,
Die ich ihr flechten will,

Beschwör ich dich, Erscheinung,
Auf, und verwandle dich!
Verwandle dich, Erscheinung,
Und werd Edone selbst!

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An Bodmer

 

 Der die Schikungen lenkt, heißet den frömsten Wunsch,

Mancher Seligkeit goldnes Bild
Oft verwehen, und ruft da Labyrinth hervor,

Wo ein Sterblicher gehen will.


In die Fernen hinaus sieht, der Unendlichkeit

Uns unsichtbaren Schauplatz, GOtt!

Ach, sie finden sich nicht, die für einander doch

Und zur Liebe geschaffen sind

Jetzo trennet die Nacht fernerer Himmel sie


Jetzo lange Jahrhunderte.

Niemals sah dich mein Blik, Sokrates Addison,

Niemals lehrte dein Mund mich selbst.

Niemals lächelte mir Singer, der Lebenden

Und der Todten Vereinerin.


Auch dich werd' ich nicht sehn, der du in jener Zeit,

Wenn ich lange gestorben bin,

Für das Herz mir gemacht, und mir der ähnlichste,

Nach mir einmal verlangen wirst,

Auch dich werd' ich nicht sehn, wie du dein Leben lebst,


Werd' ich einst nicht dein Genius.

Also ordnet es Gott, der in die Fernen sieht,

Tiefer hin ins Unendliche!

Oft erfüllet er auch, was sich das zitternde

Volle Herz nicht zu wünschen wagt.

Wie von Träumen erwacht, sehn wir dann unser Glük,

Sehns mit Augen, und glaubens kaum.

Also freuet' ich mich, da ich das erstemal

Bodmers Armen entgegen kam.

 

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Ihr Schlummer
 

Sie schläft. O gieß ihr, Schlummer, geflügeltes

Balsamisch Leben über ihr sanftes Herz!

Aus Edens ungetrübter Quelle

Schöpfe den lichten, kristallnen Tropfen! 

 

Und laß ihn, wo der Wange die Röt' entfloh,

Dort duftig hintaun! Und du, o bessere,

Der Tugend und der Liebe Ruhe,

Grazie deines Olymps, bedecke

 

Mit deinem Fittig Cidli. Wie schlummert sie,

Wie stille! Schweig, o leisere Saite selbst!

Es welket dir dein Lorbeersprößling,

Wenn aus dem Schlummer du Cidli lispelst!


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